Strukturen

Bis in die siebziger Jahre war die IKG eine relativ überschaubare Institution mit Stadttempel, Friedhof, jüdischem Spital/Altersheim und Immobilienverwaltung. Heute gibt es 12 Schulen, Aus- und Fortbildungseinrichtungen, das psychosoziale Zentrum ESRA, den IKG-Campus im 2. Bezirk, eine Restitutionsabteilung und zahlreiche angeschlossene Vereine, Stiftungen und Gesellschaften. Die Zahl der MitarbeiterInnen ist auf weit über 400 gestiegen(davon rund 120 in der so genannten Hoheit).

Die Strukturen der IKG-Politik und Verwaltung haben sich jedoch nicht wesentlich geändert. Zusätzlich werden die doch sehr ausführlichen Statuten in der Realität nicht in allen Bereichen genügend eingehalten.

  • Die IKG ist ein komplexes Gebilde, das dringend strukturell reorganisiert werden muss, um den heutigen Gegebenheiten gerecht werden zu können und den Bestand der IKG nachhaltig zu sichern.
  • Es braucht transparente, nachvollziehbare Strukturen Kompetenzverteilungen und Arbeitsprozesse, die es Führungskräften und MitarbeiterInnen ermöglichen, ihre Aufgaben verlässlich, effizient, nachhaltig und mit optimiertem bürokratischen Aufwand zu bewältigen.

Die IKG Spitze

Das Präsidentenamt ist in den Statuten als die Vertretung der Gemeinde nach außen definiert. Derzeit ist das Präsidentenamt sehr vermögenden Gemeindemitgliedern vorbehalten. Viele qualifizierte Personen können es sich einfach nicht leisten, ihren Brotberuf zu Gunsten dieser Funktion aufzugeben oder für 5 Jahre zumindest zum Teil ruhend zu stellen.

  • Wir verstehen die Position an der Spitze unserer Gemeinde als Vollzeit-Herausforderung.
  • Daher plädieren wir dafür, dass aus dem ehrenamtlichen Amt des/der IKG-Präsident- en/in eine bezahlte Position wird, damit das bestqualifizierte Gemeindemitglied Präsident/Präsidentin werden kann und somit dieses wichtige Amt nicht – wie es heute der Fall ist – nur Wohlhabenden oder Personen nach dem Ende ihrer Erwerbstätigkeit vorbehalten bleibt.

Respekt & Transparenz im Plenum und Beirat

Derzeit werden – manchmal auch weitreichende –  Entscheidungen  oft nur „abgenickt“, weil Kultusvorständen die notwendigen entsprechenden Unterlagen erst dann übergeben werden, wenn in der Sitzung des Kultusvorstands der betreffende Tagesordnungspunkt diskutiert wird. Das bedeutet, sie müssten gleichzeitig lesen, hinterfragen, diskutieren und abstimmen.
Darüber hinaus trifft das Präsidium mit Hilfe des so genannten Beirats am Kultusvorstand (Plenum) vorbei direkt Entscheidungen. Das geschieht regelmäßig auch in nicht „dringlichen Angelegenheiten“, wie im Statut vorgesehen.

Wir wollen:

  • Einen neuen Stil von Transparenz im Plenum. Besonders bei schwierigen Themen bedarf es einer gewissenhaften Vorbereitung für die oft sehr weitreichenden Entscheidungen (Abstimmungen). Das bedeutet, dass die entsprechenden Unterlagen zur Vorbereitung auf diese Abstimmungen allen rechtzeitig zur Verfügung stehen müssen.
  • Die Wiedereinführung der vollständigen Audio-Protokolle der Sitzungen des Kultusvorstands, die erst kürzlich abgeschafft worden sind. Interessierte Gemeindemitglieder und MitarbeiterInnen müssen in der Lage sein, Entscheidungen des Kultusvorstands klar nachzuvollziehen.


Kommissionen

Die meisten Kommissionen haben, entgegen der Forderung in den Statuten, keine Geschäftsordnung mit verbindlichen Richtlinien über Aufgaben, Arbeitsweise und Entscheidungsfindung. Sie wurden in den vergangenen Jahren vornehmlich „parteipolitisch“ besetzt. Eine Reihe von Kommissionen hat zu viele Mitglieder, um effizient arbeiten zu können. Dazu kommt, dass etliche Mitglieder über keinerlei Fachkompetenzen verfügen. Oft mangelt es an Transparenz, und der Umgang miteinander ist häufig bevormundend und respektlos.

  • Die Kommissionen, die das noch nicht haben, brauchen, um effizienter arbeiten zu können, Geschäftsordnungen und verbindliche Richtlinien über Aufgaben, Arbeitsweise und Entscheidungsfindung.
  • Sie müssen mit kompetenten Fachleuten besetzt sein, damit auch tatsächlich die besten Entscheidungen getroffen werden können
  • Es muss sowohl im Umgang miteinander als auch bei den Entscheidungen auf Respekt und Menschlichkeit geachtet werden.

Kontrollkommission

Derzeit ist die Kontrollkommission nicht in der Lage, ihren Prüfpflichten in angemessener Qualität nachzukommen. Das liegt zum einen daran dass zu wenige ihrer Mitglieder über das erforderliche Fachwissen verfügen und zum anderen daran, dass die benötigten Unterlagen zu spät oder gar nicht zur Verfügung gestellt werden. Dadurch ergeben sich große, unkontrollierte Bereiche. Das ist untragbar, weil es ein nachhaltiges Wirtschaften verhindert.

  • Die Mitglieder der Kontrollkommission müssen nach ihrem persönlichen Fachprofil (Anwälte, Steuerberater, Buchhalter, Wirtschaftstreibende) ausgewählt werden und dürfen nicht nur entsprechend ihrer Parteizugehörigkeit ernannt werden.
  • Die Kontrollkommission braucht eine Ausweitung ihrer Kompetenz und Zugriffsrechte auf alle notwendigen Daten mit festgeschriebenen Konsequenzen, wenn diese nicht im geforderten Zeitraum übergeben werden.

Ethikkommission

Die derzeitige „Ethikkommission“ hat nur die Aufgabe, Auftragsvergaben zu prüfen. Das greift nicht weit genug.

  • Es braucht die Einführung einer ständigen Ethik-Kommission mit Sitz im IKG-Beirat, die organisationsübergreifend und für die gesamte IKG und alle ihre Vereine, Stiftungen, Unterorganisationen und Gesellschaften bindende ethische und soziale Vorgaben und Richtlinien erstellt.
  • Sie soll – zusätzlich zu den vorgesehenen Kultusräten – aus Vertretern von ESRA, den Ombudsleuten der IKG und des Maimonides Zentrums und des Rabbinats zusammengesetzt sein.

Damit wollen wir erreichen, dass in allen Bereichen auf die jüdischen moralischen und ethischen Werte, auf Respekt und Menschlichkeit geachtet wird.

Gewaltentrennung

Derzeit sind einzelne Kultusräte in Abteilungen der IKG, Firmen und Vereinen auch operativ tätig. Das entspricht nicht ihren Aufgaben. Im Gegenteil: Das stört die reibungslosen Abläufe im operativen Bereich erheblich, weil Dienstwege damit einfach umgangen werden können.
Ein solches Vorgehen behindert die ordentliche Geschäftsführung und führt zu Intransparenzen, die der IKG insgesamt, der sachlichen Zusammenarbeit und dem Klima innerhalb der IKG extrem schaden.

  • Die Rahmenbedingungen, nach denen unsere Gemeinde geführt wird, müssen für alle  Mitglieder nachvollziehbar sein.
  • Der Kultusvorstand als oberstes Organ der Kultusgemeinde und seine Kommissionen haben die Aufgabe, der Verwaltung die Ziele und Rahmenbedingungen vorzugeben, nach denen unsere Gemeinde arbeitet.
  • Es muss ihnen daher auch die Kontrolle obliegen, ob die vorgegebenen Richtlinien eingehalten werden.
  • Die Ziele der einzelnen Bereiche müssen einander ergänzen, sie müssen nachhaltig und klar vorgegeben sein, die Vorgaben müssen aber auch realistisch erfüllbar sein.

Operativer Bereich

Derzeit gibt es im operativen Bereich zwei Generalsekretäre, welche die IKG und ihre Gesellschaften managen. Der eine ist zuständig für alle die ideelle Zielsetzung der Kultusgemeinde betreffenden Angelegenheiten (Kultus, Kultur, Öffentlichkeitsarbeit, Soziales, Bildung, Sicherheit, usw), der zweite für kaufmännisch-organisatorische Belange (Finanzen, Personal, Verwaltung, Immobilien, Betriebe, usw).

  • Es bedarf einer/s erfahrenen Geschäftsführer/in mit bereits unter Beweis gestellten Erfolgen,  der/die mit Unterstützung eines Teams von  qualifizierten AbteilungsleiterInnen die Geschäftsführung und Finanzgebarung in der IKG unabhängig vom Präsidium managt. Diese/r Geschäftsführer/in muss im Rahmen des Gesetzes und der Vorgaben des Plenums Budget- und Personalhoheit besitzen. Diese/r Geschäftsführer/in soll sämtlichen Gesellschafts-, Abteilungs- und sonstigen Organisationsleitungen vorsitzen.
  • Die Agenden des Generalsekretärs, der für alle die ideelle Zielsetzung der Kultusgemeinde betreffenden Angelegenheiten zuständig ist,  sollen an das Rabbinat übertragen werden.
  • In Anbetracht der Tatsache, dass derzeit fast vierzig Friedhöfe im Eigentum bzw. der Verwaltung der IKG stehen, fordern wir die Schaffung der Position eines/r Verantwortlichen  für das gesamte Friedhofswesen.
  • Für alle Führungspersonen sind ein klares Jobprofil und ein Gehaltsmodell mit Erfolgs-Anteilen einzuführen. Die Berechnung von Erfolgstangenten muss sich ebenso auf Verbesserung von Strukturen und nachhaltiges Wirtschaften beziehen, wie darauf, dass den MitarbeiterInnen optimale organisatorische und menschliche Rahmenbedingungen zur Erfüllung ihrer Aufgaben geboten werden.

Alle Vorgaben der Ethik-Kommission müssen erfüllt werden.

MitarbeiterInnen

In den vergangenen Jahren ist es immer wieder vorgekommen, dass Positionen ohne nachvollziehbare Ausschreibungen vergeben worden sind. Dieses Vorgehen verhindert, dass die am besten qualifizierten Personen ausgewählt werden.

  • Um zu den bestqualifizierten MitarbeiterInnen in allen Positionen und Bereichen zu kommen, müssen alle Neubesetzungen in sämtlichen jüdischen und ausgewählten nicht jüdischen Medien ausgeschrieben werden. Selbstverständlich können sich auch IKG-MitarbeiterInnen um andere Positionen bewerben. Die Besetzung muss jedoch nach objektiven Kriterien erfolgen.
  • Alle MitarbeiterInnen brauchen Tätigkeitsbeschreibungen und Vorgaben, die sie erfüllen können. Wenn ihnen Aufgaben übertragen werden, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind, müssen sie die Möglichkeit haben, im Rahmen des ebenfalls zu gründenden Personalentwicklungs-Programms entsprechende Schulungen zu absolvieren.