Das Maimonides Zentrum aus unserer Experten-Sicht

Nun sind schon zwei Jahre seit der Übersiedlung der HeimbewohnerInnen in das neue Haus am IKG-Campus vergangen. Wir möchten hier eine kleine Bilanz ziehen.

Das neue Heim ist wahrscheinlich eines der schönsten Häuser in Wien. Zusätzlich zu den Zimmern für die BewohnerInnen, den allgemeinen Räumen wie Speisesaal und Kaffeehaus gibt es einen Therapie-Pavillon mit allen Räumlichkeiten für Physio-und Ergotherapie und eine Therapieküche.

An der Innenausstattung haben, auf Initiative unserer Mitglieder, Farb-und Leitsystem-Experten aus dem In-und Ausland mitgearbeitet. So ist es gelungen, in allen Bereichen ansprechende Atmosphären zu schaffen, um den BewohnerInnen das Leben möglichst angenehm zu gestalten.

Die Aufenthaltskosten werden Personenbezogen aus einer Kombination von Pension und Pflegegeld gedeckt, und im Fall dass die Pension nicht ausreicht schießt der Fonds Soziales Wien Gelder zu. Da das Maimonides Zentrum für Kaschrut und Sicherheit im Vergleich zu anderen Heimen einen stark erhöhten Finanzbedarf hat, gibt es dafür noch einige Subventionen von Bund und Land.

Es sind also alle Voraussetzungen geschaffen, um ein vorbildliches Heim führen zu können.

Im täglichen Leben jedoch stellt sich heraus, dass das schöne Haus alleine noch kein Zuhause ausmacht. Es gibt zwei hauptsächliche Problemkreise, die es in der Zukunft zu lösen gilt.

  1. Einmal geht es um die Menschen: Institutionen, in denen Menschen langzeit-betreut werden, sind ganz eigene Welten. Durch die Übersiedlung, die Umstellung auf eine gänzlich neue Umgebung, die einen meistens viel beengteren Lebensraum bietet als die vertraute Wohnung, in der man oft viele Jahre verbracht hat, sind Bewohner einer Institution – sei es ein Krankenhaus oder ein Altersheim – besonders sensibel.
    Die Menschen tendieren dazu, zusammen mit ihren Gewohnheiten auch viel Verantwortung und Kompetenz abzugeben. Das führt auch zu einem Gefühl, den „Autoritätspersonen“ – Schwestern, Ärzten, dem leitenden Personal – „ausgeliefert“ zu sein.  Die Realität ist ja, dass man nicht mehr anderswo leben kann.
    Auf der anderen Seite verliert auch überfordertes und manchmal nicht genügend kontrolliertes Personal das notwendige Engagement. Wir möchten erreichen, dass es nicht mehr regelmäßig zu Situationen kommt, wo Menschen nicht das bekommen, was sie brauchen.
    Dazu fordern wir eine regelmäßige externe Qualitätskontrolle der Pflege, am besten in der Form eines Beiratsmitglieds mit der notwendigen Expertise.
  2. Zum zweiten geht es um die langfristige Finanzierbarkeit des Hauses in seiner jetzigen Form:
    Mit der zwangsläufigen Abnahme von Shoah-Überlebenden wird es aller Wahrscheinlichkeit schwerer bis unmöglich werden, weiterhin die öffentlichen Sonderzuschläge für Kaschrut und Sicherheit in hohen Beträgen zu erhalten.
    Wir müssen deshalb schon jetzt Lösungen suchen und finden, wie die Mehrleistungen, die für ein jüdisches Haus notwendig erscheinen, in den nächsten Jahren bezahlt werden sollen.
Unsere Mitglieder Patricia Kahane und Arlette Leupold sind seit Jahren als Vertrauenspersonen der HeimbewohnerInnen tätig, sie arbeiten zur Zeit im Beirat an einer Neugestaltung des Gesellschaftsvertrags mit, um das Maimonides Zentrum in menschlicher und in organisatorisch-wirtschaftlicher Hinsicht für die Zukunft zu orientieren.

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