Kultur

Die IKG hat derzeit kein strategisches Kulturkonzept.

Die Kulturkommission ist seit langem kein Expertengremium, sondern vor allem politisch besetzt, sie trifft Programm-Entscheidungen und verwaltet das Kulturbudget, das derzeit fast ausschließlich für das jährliche Straßenfest verwendet wird.

Zusätzlich gibt es zwei elitäre Veranstaltungsreihen: das „IKG-Kulturpanel“ und „Challenges“, die mit einem eigenem – fast ebenso hohen – Budget ausgestattet sind, aber direkt dem Büro des Präsidenten unterstehen.

Die Kulturarbeit besteht daher aus einer nicht nachvollziehbaren Mischung von Veranstaltungen. Die Resultate dieser Mehrgleisigkeit sind eine inhaltliche und finanzielle Unübersichtlichkeit, was Ziel und Einsatz der gesamten für die Kulturarbeit verfügbaren Mittel betrifft.

Wir sehen eine gelungene Kulturarbeit unserer Gemeinde viel facettenreicher. Es gilt einen Bogen zu spannen zwischen der vergangenen, vertriebenen, beinahe ausgelöschten ost- und mitteleuropäischen jüdischen Kultur aus der Zeit vor der Shoah, der Gegenwart, bis zu einer zukünftigen europäischen jüdischen Kultur, die unserer neuen Identität als jüdische Österreicher und Europäer Rechnung trägt.

Es bedarf deshalb eines komplett neuen Kulturkonzepts, um kulturelle Impulse zu setzen sowohl für alle interessierten Mitglieder der Gemeinde als auch für eine interessierte gesamt-gesellschaftliche Öffentlichkeit.

Dabei sollen auch alle Facetten unserer verschiedenen jüdischen Kulturen nach innen und außen sichtbar gemacht werden. Es geht unter anderem auch darum, Traditionen zu bewahren, aber auch weiter zu entwickeln.

Deshalb müssen Schwerpunkte gesetzt und erarbeitet werden, zum Beispiel:

  • Zeitgeschichte als Ausdruck kultureller „Restitution“ – vertriebene Musik, Literatur, bildende Kunst, Wissenschaft – jedoch nicht als bloßer Rückblick und schmerzvolle Erinnerung, sondern immer in Bezug gesetzt zur Gegenwart und Zukunft.
  • „Politische Bildung“ im Zusammenhang mit jüdischer Identität und den vielen Wechselbeziehungen zwischen uns, unserem Land und Europa.
  • Ein „Jüdischer Freiraum“ – ein Raum für offenen Ideenaustausch. Wir müssen beginnen, wieder geistige Freiheit zu zu lassen und zu fördern. Alle Themen und Meinungen müssen wieder erlaubt sein. Denn Vielfalt stärkt die Einheit.
  • Geführte Ausstellungsbesuche zu relevanten Themen in Museen und Galerien.
  • Kulturaustausch mit Nachbarländern in Form gemeinsamer Veranstaltungen.

Dazu bedarf es:

  • Eines einzigen, garantierten, ausreichend dotierten und transparenten Kulturbudgets.
  • Einer Kulturkommission, die nicht nur politisch, sondern vor allem nach Expertisen auf verschiedenen Gebieten besetzt ist. Damit können auch jüdische Kulturschaffende hoffentlich wieder zur aktiven Mitgestaltung gewonnen werden.
  • Eines Kulturmanagements, das alle Aktivitäten und Termine koordiniert, um in Zusammenarbeit mit sämtlichen Abteilungen (Kulturkommission, Rabbinat, Tempelvorstand, Sicherheitsabteilung, Gemeindezentrum, Redaktion Insider, Redaktion Webseite, Pressesprecher/in) einen effizienten Veranstaltungskalender möglichst ohne Überschneidungen zu erstellen.